Endzeitbilder in den Dudde-Kundgaben

"Endzeit" ist eines der zentralen Themen in den Dudde-Kundgaben und muß im Zusammenhang gesehen werden mit der Darstellung des geschilderten Heils- und Erlösungsplanes der Menschheit:

Das Ziel des Geistigen ist es, aus der Gebundenheit an die Materie freizuwerden. Diese Bindung war von Gott über das Geistige verhängt worden, als dieses sich willentlich abwandte. Der in die Materie gebannte Geist muß nun alle Formen der Schöpfung vom Mineral bis hin zum Menschen durchlaufen. Dieser Prozess der Rückkehr zu Gott durchläuft viele Epochen.

Erst in der menschlichen Verkörperung wird der Geist aus dieser Pflicht zur Wandlung zum Höheren genommen. Nun kann er frei darüber entscheiden, Gutes oder Böses zu tun und nach der Wahrheit zu streben. Tut er Gutes aus freiem Entschluß, so kann er endgültig zu Gott zurückkehren. Er ist aus der Bindung an die Materie freigeworden.

Der Prozess der Rückkehr zu Gott durchläuft viele Epochen. Für Bertha Dudde findet gegenwärtig das Ende einer Entwicklungsepoche statt. Die Erde wird durch einen göttlichen Eingriff umgestaltet. Die Kundgaben sprechen von einer Reihe von Katastrophen, an deren Ende der Weltenbrand steht. Ein entscheidender Punkt in den Texten ist, dass die Menschen, die Gutes getan haben, von Gott in himmlische Sphären entrückt und vom Untergang verschont bleiben. Die übrige Schöpfung einschließlich der verbliebenen Menschheit wird mit neuer Materie umhüllt. Für die Menschen, die ihr Ziel nicht erreicht haben, bedeutet dies die erneute Bannung in die Materie. Die in himmlische Sphären entrückten Menschen jedoch werden auf die neugestaltete Erde zurückgesetzt. Sie bilden dort den Kern eines neuen Menschengeschlechts, das erst einmal in göttlicher Harmonie leben wird, bis schließlich wieder Menschen sich von Gott abwenden und eine neue Umgestaltung erforderlich macht. Diese Erlösungsperioden folgen in immer kürzeren Abständen, an deren Ende jeder Geist zu Gott zurückgekehrt sein wird.

Das gnostische Motiv der Entwicklung des in die Entwicklung gebannten Geistes, der Dualismus von Geist und Materie, lebt in diesen Texten des 20. Jahrhunderts wieder auf.

Im Stil einer "großen Erzählung" sprechen die Kundgaben von einem mythischen Geschehen. Anklänge an das Buch Daniel und die Johannesoffenbarung sind unverkennbar. Die Kundgaben von Bertha Dudde beharren einerseits darauf, dass die Endzeit "bald" und "noch in dieser Generation" sein wird. Andererseits finden sich Stellen, an denen vor einer zeitlichen Festlegung gewarnt wird. Die sehr plastische Schilderung der Endzeit hat manche Leser der Kundgaben dazu verleitet, diese nicht als Bildfolge einer kosmischen Mythologie, sondern als reale Zukunftsschilderung aufzufassen. Eine solche Interpretation ist fatal. Da mittlerweile mehr als 30 Jahre seit dem Tod von Bertha Dudde vergangen sind, hätte eigentlich klar werden müssen, dass eine reale zeitliche Zuordnung falsch ist. Dennoch spekulieren Teile der Leserschaft des Dudde-Werkes über eine nahe Endzeit, da sie den existentiellen Gehalt eines mythischen Textes verkennen. Es ist leider das Schicksal religiöser Texte, einer naturalistischen Fehlinterpretation unterzogen zu werden.

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